|
Das MU20-Nationalteam feierte vergangene Woche mit dem Sieg bei der Europameisterschaft der Division B und dem Aufstieg in die
Division A einen der größten Erfolge der österreichischen Basketball Geschichte. Im Interview mit Andreas Schnedl sprach Headcoach Werner Sallomon über den Triumph bei der Heim-EM und die
mögliche Bedeutung dieses Erfolgs.
Wie fällt dein Resümee zum unglaublichen Erfolg der Mannschaft aus?
„Es war sicher nicht so einfach, wie es sich vielleicht von Außen dargestellt hat. Mir ist es bei den Anforderungen mancher,
vor dem Turnier so vorgekommen, als würden wir uns in einem Top-Land im Basketball befinden. Wenn man manchen zuhört, könnte man glauben, dass Basketball eine der führenden
Sportarten in Österreich wäre, was sicher nicht so ist. Natürlich haben wir uns berechtigte Hoffnungen gemacht. Für mich wäre das Turnier aber auch bei einem Halbfinaleinzug, ohne
Erreichen des Aufstiegs, ein Erfolg gewesen."
|
Haben diesen Erwartungsdruck auch die Spieler mitbekommen?
„Natürlich haben sie den Druck von Außen gespürt. Manche haben mich gefragt, was die Leute sagen werden, wenn wir nicht
so gut spielen sollten. Wir haben uns dann sehr bemüht dieses Thema wieder von den Burschen weg zu bekommen. Das haben wir gemeinsam mit den Spielern sehr gut geschafft. Das war
mindestens eine genauso große Leistung, wie der sportliche Erfolg."
|
Mit den knappen Niederlagen gegen Dänemark in der Vorrunde (63:64) und gegen Polen in der Zwischenrunde (78:82), hat
sich Österreich auch kleinere, vielleicht sogar einkalkulierte Ausrutscher geleistet. Wie beurteilst du diese Spiele im nachhinein?
„Das ist längst abgehakt. Gegen Dänemark wollten wir den Bankspielern möglichst viele Minuten geben. Leider haben wir den
letzten Korb zum Sieg nicht gemacht. Ich habe schon bewusst, einige Spieler nicht so viel eingesetzt, weil wir schon als Gruppensieger feststanden. Außerdem wollte ich, dass jene Spieler,
welche die Partie noch einmal gedreht haben, auch am Ende um den Sieg spielen dürfen. Die knappe Niederlage gegen Polen war ähnlich, weil auch in der Zwischenrunde der Aufstieg schon
feststand. Wir haben gewusst, dass wir uns eine Niederlage mit 14 Punkten leisten konnten, um Gruppenerster zu bleiben. Das Spiel war teilweise fürchterlich, weil die Burschen halt auch
rechnen können. Als wir dann bereits mit 14 Punkten zurücklagen, nachdem wir den Faden verloren hatten, kam wieder ein toller Input von der Bank. Die Mannschaft konnte sich immer wieder
steigern, wenn es darauf ankam. Man konnte übrigens auch bei den Schweden sehen, dass sie sich im letzten Spiel der Zwischenrunde eine Niederlage leisteten. Manche Trainer machen es eben
so, dass sie bei so einem langen Turnier ihre Spieler manchmal schonen. Andere spielen wiederum das ganze Turnier mit fünf Spielern durch."
Welche Spiele waren rückblickend für den Turnierverlauf besonders wichtig?
„Die Siege gegen die Slowakei und Norwegen zu Beginn der Zwischenrunde waren sehr wichtig. Diese Gegner sind konstant im
Mittelfeld der B-Division zu finden. Solche Mannschaften kann man leicht unterschätzen. Vor allem außerhalb der Mannschaft konnte man hören, dass das leichte Gegner seien. Diese
Überheblichkeit ist mir unbegreiflich. Als Österreicher haben wir keinen Grund, irgendeinen Gegner zu unterschätzen. Rückblickend haben uns diese beiden Spiele eine große Chance auf den
Aufstieg gegeben."
Vor allem in den entscheidenden Spielen am Ende hat Österreich sehr souverän gewirkt.
„Das Halbfinale gegen Bulgarien war auch wirklich sehr souverän. Die Bulgaren haben über das ganze Turnier sehr stark gespielt.
Wir haben es aber geschafft, von Beginn an in Führung zu liegen und diese auch zu halten, was auch nicht so einfach ist. Das war wirklich sehr stark und eine tolle Sache. Das Finale gegen
Schweden war das Tüpfelchen auf dem i. Ich wusste nicht, ob sich die Burschen noch einmal motivieren können. Schließlich war der Druck, nach dem geschafften Aufstieg ziemlich weg. Aber
die Mannschaft hat sich noch einmal aufgerafft, wie so oft, wenn es um etwas ging. In diesem Spiel hat uns der Heimvorteil wirklich viel gebracht. Die begeisterten Zuschauer haben die
Mannschaft nach vorne gepeitscht."
Wie bist du mit den Leistungen der einzelnen Spielern zufrieden?
„Einige Leistungsträger haben wirklich ein sehr starkes Turnier gespielt. Momo Lanegger war einer unserer konstantesten
Spieler, der verdient ins All-Star Team gewählt wurde. Rasid Mahalbasic hatte seine Ups und Downs, war aber im Halbfinale gegen Bulgarien und im Finale gegen Schweden nicht unter
Kontrolle zu bringen. Zudem bekam er seine zweite MVP-Auszeichnung in Folge bei der U20-EM. Jesse Seilern hat nach dem Spiel gegen Großbritannien seinen Rhythmus verloren, uns aber am
Ende wieder sehr geholfen. Auch Romed Vieider hat ein tolles Turnier gespielt und vielleicht seine bisher beste Leistung abgeliefert. Er hat sich von einem Rollenspieler weiterentwickelt
zu einem, der die wichtigen Dinge macht. Das wären die vier Spieler, die ich unter die absolut wichtigen Leuten einreihen würde. Aber auch Anton Maresch, der uns gegen Großbritannien
allein im Spiel gehalten hat, hat einen wichtigen Beitrag geleistet. Eigentlich mag ich es nicht besonders einzelne Spieler hervorzuheben, weil dieses Team ein tolles Kollektiv war. Jeder
hat seine Leistung gebracht und immer wieder haben einzelne noch einen Zahn zugelegt. Ich denke, die Burschen sehen das auch so."
Wie fiel das Feedback der anderen Trainer aus?
„Viele haben uns zum Erfolg wirklich glaubwürdig und ehrlich beglückwünscht. Gerade bei solchen großen Turnieren herrscht ein
gutes Klima zwischen den unterschiedlichen Trainern. Da ist es oft so, dass die Leistungen des anderen gewürdigt werden."
Welche Auswirkungen könnte dieser Erfolg auf den österreichischen Basketball haben?
„Ich würde gerne sehen, dass man jetzt schon daran geht, Weichen für die Zukunft zu stellen. Man könnte die Gelegenheit nutzen,
um diese U20-Spieler schon verstärkt in die Nationalmannschaft einzubauen und eine Mannschaft zu formen, die 2013 mit den A-Nationen mitspielen kann. Realistisch gesehen, war das
natürlich ein Highlight mit einem außergewöhnlichen Jahrgang. An sich ist Österreich eine solide B-Nation. Das ist aber nichts wofür man sich schämen muss. Wenn man sich die großen
Basketball-Nationen Europas ansieht, merkt man, wie viel harte Arbeit dahinter steckt, wenn man vorne mitspielt. Allgemein gesprochen, müssen wir alle dafür sorgen, dass mehr Menschen in
Österreich Basketball spielen. Dinge, wie die Nachwuchsverpflichtung haben bereits ihre Auswirkungen gezeigt. Das ehrgeizige Ziel müsste es aber sein, die Zahl der Aktiven zu
verzehnfachen. Schließlich ist Basketball eine Mannschaftssportart, für die man 12 bis 16 Sportler braucht. Da ist ein Erfolg noch schwerer zu realisieren, als in einer Einzelsportart wie
Schwimmen, wo man eben nur einen talentierten Sportler braucht. Es wäre wichtig, dass alle die in Österreich mit Basketball zu tun haben, für eine großes Ziel und nicht nur für sich
selbst arbeiten würden."
Quelle: www.basketballaustria.at (ÖBV)
Fotos Copyright: Christian Novak (ÖBV) und Hubert Kehrer
|
Neueste Kommentare